Nun war es wieder soweit: ich musste nach Deutschland zurück, denn meine zweiten 90 Tage sind in der Ukraine abgelaufen. Deshalb benötigte ich nun diesmal WIRKLICH ein Visum, welches ich natürlich nur in Berlin in der ukrainischen Botschaft erhalten kann.
Alles klar- Der Trip wurde geplant: Ich wollte am letzten Freitag Abend (12.02.) mit der Marschrutka in der Nacht nach Kiew fahren, dort am Morgen in den Bus steigen und abermals die 24h Busfahrt in die alte Heimat antreten. Alles war gepackt- ich hatte mir sogar einen riesigen Haufen zu Essen gemacht, denn letztes mal hatte ich das ganz schön verplant und hungerte ein wenig. Doch dieses mal würde es nicht passieren- Ein ganzes Weisbrot in Schnittchen verarbeitet, dazu noch ein Baguette und eine Menge an Süßigkeiten. Nun war ich sogar darauf vorbereitet, eine eventuell dicke Platznachbarin mit zu versorgen.
Ich saß in meinem Zimmer, halb 1 in der Nacht, alles gepackt und vorbereitet und wartete auf den Anruf des Taxis, welches mich zu meiner Marschrutka abholen würde. Ich wartete und wartete.. doch es kam nichts. Um ein Uhr sollte sie fahren- fünf vor eins weckte ich Tamara auf, die dann die Gesellschaft anrief. „Sie fahren heute Nacht nicht- wegen dem Schneesturm“. Meine Gefühle zu diesem Zeitpunkt sind sehr schwierig zu beschreiben- Wut trifft es aber ganz gut. Sie versicherten, sie hätten am Tage mir eine SMS geschickt und mich versucht anzurufen um mir das mitzuteilen, aber es ist weder etwas angekommen, noch hab ich sonst irgendwelche Probleme mal mit meiner ukrainischen Nummer gehabt. Doch nun war alles zu spät- nach Kiew fuhr weder Marschrutka, noch ein Zug. Wir riefen noch die Busgesellschaft in der Nacht an, doch der Bus Richtung Berlin fuhr mit Sicherheit am Morgen um acht Uhr los und der nächste Bus nach Deutschland fuhr am Freitag. Keine Chance.
Ich hatte keine andere Wahl- ich MUSSTE an diesem Wochenende nach Deutschland, denn später läuft meine ukrainische Zeit ab oder ich komm nicht mehr rechtzeitig zurück, wenn mein Bruder mich in der Ukraine besucht. Wäre auch ein bisschen blöd- Er in Sumy, ich in Luckau J
Ich versuchte mich zu beruhigen, suchte ein paar Flüge aus dem Internet, schrieb meinem Vater und versuchte zu schlafen. Mitten in der Nacht weckte mich Tamara auf und sagte, das mein Vater im Skype auf mich wartet. Ich stand auf und verbrachte ein Teil der Nacht mit der Organisation meiner Reise. Wir buchten einen Flug am Sonntag.
Am Samstag überraschte ich dann nun alle noch einmal und verabschiedete mich abermals. Übrigens war ich den ganzen Tag damit beschäftig meine Fresstüte zu leeren und mir eine Alternative zu besorgen, denn erstens würde alles schlecht werden und zweitens hatte ich nur ein Handgepäckstück reserviert- meinen großen Reiserucksack, den ich verprügeln musste damit er auf die Maße des Handgepäcks ANNÄHERND sich formte.
Samstag Abend fuhr ich also mit einem Taxi zum Bahnhof und stieg in meinen Nachtzug den ich am Tage reserviert hatte (nicht den ganzen, aber nächste mal mach ich’s…). Der ganze Waggon war ein einziges Zimmer, vollgestopft mit Betten und den dazugehörigen Leuten die alle kreuz und quer wuselten, ihre Betten machten, aufs Klo wollten und umherschnatterten. Ich fand meine Nummer, aber nicht das dazugehörige Bett. „Da stehst’e daa mit offenem Haar“….Jo! Was nun? Schon sprach mich eine Frau an die Deutsch konnte und half mir, mein Bett wie bei Transformer (Der Film wo sie Roboter in Autos verwandeln und zurück) zum Vorschein zu bringen. Ich wartete noch ein wenig, bis sich die Hektik im Hühner-Waggon (kann ja schlecht „Stall“ sagen) gelegt hatte und chillte mich dann auf mein Bett OHNE Bettzeug, denn das hatte ich nicht mit bestellt. –Man spart ja wo man kann. Ansonsten verlief die Fahrt ganz ruhig. 6-7 Stunden fahrt, es war EXTREM heiß (hätte also keine Decke gebraucht) und die Erkenntnis, dass das Bett neben dem Eingang zum Klo wirklich aus mehreren Gründen nicht das komfortabelste ist.
Ich kam um 6 Uhr Morgens in Kiew an und hatte noch so einige Zeit, denn mein Flieger startete Nachmittags um 16Uhr. Ich habe schon vorher darüber nachgedacht, was ich in dieser Zeit sinnvolles anstellen kann. Am Vorabend kam Marianna die Idee- „Es ist Sonntag und es gibt eine ‚Hillsong’-Gemeinde in Kiew“. Für die Leute die damit nichts anfangen können: Hillsong ist eine sehr große Gemeinde, die es zum Beispiel in Australien (Die wohl bekannteste) oder auch in London gibt. Sehr bekannt ist die Hillsong-Musik…echt cooler Lobpreis eben. Unterstützt wird das meines Wissens aus den USA. Bin auch kein Profi in der Topic.
Wer mehr weiß schreibt ein Kommentar!
Wer mehr wissen will guckt im Internet!
Leider blieb mir keine Zeit mehr um sie ausfindig zu machen, Aber ich bin ja nicht auf den Kopf gefallen
Ich ging früh morgens ins Internet-Cafe und brauchte eine halbe Stunde um rauszufinden wann die Gottesdienst haben, wo er stattfindet, wie ich da hinkomme ….Alles war auf Russisch und ich musste alles übersetzen und habe sämtliche Karten aus dem Internet abfotografiert. Dann hab ich mich einfach auf den Weg gemacht, bin rumgetingelt mit der Metro und hab dann weiter zu Fuß ca. 10-20 Leute gefragt und kam zum Schluss pünktlich zu dieser riesigen Halle, zu dieser riesigen Gemeinde, zu diesem riesigen Gottesdienst an. Natürlich mit meinem ganzen Gepäck wurde ich schnell als reisender identifiziert und somit sprach mich der Jugendpastor an. Hab mit ihm erstmal viel gequatscht und ja…war SEHR cool! Da werde ich dann auf jeden Fall wieder hinstratzen (Das Wort „Chillen“ müsste nun schon gelernt sein- weiter geht’s mit „Stratzen“…Jugendsprache für „gehen“. Kann aber auch anders verwendet werden, z.B. „abstratzen“- abfeiern)
Dann bin ich wieder zurück zum Bahnhof, musste mit einer speziellen Marschrutka zum Flugplatz, bin von dort aus nach Riga geflogen und danach von Riga nach Berlin Tegel. Bei der Sicherheitskontrolle in Riga bekam ich es mit der Angst zu tun. Ich musste durch den Metalldetektor gehen, wurde aber wieder zurück geschickt um meine Schuhe auszuziehen. „Nun würden sie mich festnehmen“ dachte ich, denn ich hatte genau vorher gelesen, dass biologische Waffen auch nicht erlaubt wären. Erstaunlicherweise ging alles in Ordnung. Aber dann erinnerte ich mich- Auf dem ersten Flug ist auch weder das Flugzeug abgestürzt, noch sind meine beiden Sitznachbarn umgekippt, als ich mein Schuhe ausgezogen hatte.
In Berlin Tegel angekommen musste ich mit dem Bus zum Hauptbahnhof fahren. Als ich dem Bus entgegenlief wollte meine Hand sich schon strecken und dem Busfahrer zeigen, das er anhalten sollte. Doch dann bemerkte ich, das ich es nicht mit einem ukrainischen Bus zu tun hätte, sondern mit einem deutschen, der sowieso anhält.
Im Hauptbahnhof angekommen fuhr ich mit dem Zug nach Lübben, wurde von meinem Vater dort abgeholt und kam am Sonntag Abend in Luckau an.
Mit dem Reisebus wäre ich 1,5 Tage unterwegs gewesen, würde aber einsteigen und ankommen. So war ich nur 1 Tag unterwegs, war aber die GANZE Zeit darauf bedacht in einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort zu sein, den ich vorher erst suchen musste- heißt also war sehr stressig.
Hier noch mal die Kurzfassung:
Start Tamara Home Sumy. Taxi zum Bahnhof, Zug nach Kiew, Marschrutka zum Flughafen, Flug nach Riga, Flug nach Berlin, Bus zum Hauptbahnhof, Zug nach Lübben, Auto nach Luckau. (Schiff fehlt leider- ich probier’s beim nächsten mal; Metro in Kiew+shuttlebusse nicht berücksichtigt)
Am Montag bin ich dann mit dem Zug (Auch hier zuckte meine Hand wieder) nach Berlin zur ukrainischen Botschaft gestratzt (Quereinsteiger haben es HIER besonders schwer) und hab mein Visum beantragt. Es fehlte erst noch ein Dokument, welches orginal aus Sumy von einer Frau aus dem Ministerium stammen musste und für mich persönlich ausgestellt sein sollte. Am Anfang konnte ich das gar nicht realisieren, denn das würde bedeuten das meine Zeit in Sumy nun beendet wäre, ohne Dokument kein Visum- keine Ukraine. Doch ich konnte mich mit dem Mann dort im Konsulat auf ein anderes Visum einigen, welches er mir für ein halbes Jahr bis Freitag ausstellte. In der Woche habe ich viele bekannte Gesichter besucht und getroffen und mich mal wieder life blicken lassen.
Am Freitag holte ich mein Visum ab und stieg nachmittag in den reservierten Zug (WIEDER nicht geklappt mit dem ganzen Zug, nur ein Bett L ) Ich hatte das ganz obere Bett in einer Kabine für 3 Personen. Anfangs war ich alleine, doch dann schon am nächsten Halt kam ein Mann zu mir rein. Er war deutscher, kam aber aus der Ukraine und wohnte auch da. Er hatte SEHR das Bedürfnis zu reden- 30%Deutsch, 70%Russisch. Vom Aussehen und Körperbau erinnerte er mich sehr an meinen Gastvater Walerie. Er wollte mir nicht glauben das man sein Zivildienstersatz in der Ukraine machen kann, denn sein Sohn (wohnt in Berlin) wollte das auch machen. So musste ich also noch 10 Minuten mit dem Sohn telefonieren und hab ihn über alles aufgeklärt. Er war glaub ich schon ein wenig älter, wünschte mir dann aber zum Schluss gutes Durchhaltevermögen („Ok- dann mach’s mal gut- es wird manchmal schwer werden aber halte durch!“- nett!). Der Mann (der Name war irgendwas mit „Antonowitsch“ war Bierbrauer, braute an der Westgrenze in der Ukranie zu Polen sein eigenes Bier und kauft regelmäßig in Deutschland die Hefe. Also verbrachte ich den Abend mit russischen Erklärungen welche Hefe die beste ist und wie man zu gutem Bier kommt und mit russischem Film von ihm. Dann ging ich irgendwann pennen. Um Mitternacht rum stieg in Warschau noch jemand dazu. Hieß also mitten in der Nacht alles umräumen. Um 5 Uhr waren wir dann an der ukrainischen Grenze und haben dort lockere 3 Stunden im Halbschlaf verbracht. Früh ist mein Bierbrauer dann ausgestiegen und ein anderer hat das Bett besetzt. Der Typ aus Warschau…ist immer rausgegangen eine rauchen. Ich hab ihn NIE gehört, denn er war sehr leise. Trotzdem bemerkte ich immer wieder wenn er da war oder nicht, denn er STANK nach Zigarette oder größerem Übel. Ich dachte immer ICH würde in meinem Träumen in einen Tabakladen kommen oder nicht. Hatte echt das Gefühl, dass mein Kissen mit Zigaretten ausgestopft wäre.
Wie weiter? Weiß ich selber nicht, denn ich sitze gerade in jenem
beschriebenen Zug. Links neben mir der neue telefonierende Typ, darüber der Zigarettenschlumpf der sicher gerade von ´ner Stange Malboro träumt und ich mit meinem Laptop an der Rasierer-Steckdose angeschlossen schreibend. Ich werde um 16Uhr noch was in Kiew anstratzen (höheres Level) und dann irgendwie nach Sumy kommen.
Was bleibt noch zu sagen? Mein DIESMALIGER Fressbeutel wiegt mehr als mein kleiner Vollbepackter Rucksack und in meinem großen Rucksack hab ich so viel Tee drin, ich könnte hier im Zug einen Teeladen aufmachen. Vielleicht sollte ich mal damit zum Gegenangriff gegen Pall-Mall-Schlumpf losstratzen?!
Es grüßt ein fröhlicher Nathan auf dem Heimweg.



23. Februar 2010 um 15:00 |
Hallo Nathan ! Freue mich und danke Gott dem Vater das Du bei allem Wechselhaften Erfahrungen wieder gesund in Sumy angekommen bist .Du wolltest ja den Termin meiner Handoperation wissen .Gestern war ich mit David in Wittenberg zum Vorstehlungsgespräch ,der 4.3.10 ,9,30 wird die Operation sein.Habe nun schon eine Anzahl Telefonate geführt ,weil Regina keinen Aufenthalt oder gesagt Pflegeplatz zu dieser Zeit .So wollen wir es mit den DRK Schwestern und der Tagespflege lösen.Es liegt ja in Gottes Hand und ihm will ich vertrauen.In Liebe grüßt Deine Oma mit Regina
23. Februar 2010 um 20:36 |
Na Du Weltenbummler? Hab gerade Deinen Bericht gelesen und finde ihn ebenfalls cool – so wie Großmutti. Weggelassen hast Du, wie Du mit den Temperaturen, dem Schnee und den vereisten Wegen zurechtgekommen bist. Unseres Wissens sieht es in dieser Hinsicht schlimm aus in Kiew. – Die Hillsong-Gemeinde interessiert mich; wüßte gern, wer die Träger (in den USA) sind. Aber “Lobpreis” kann man kaum genug in sich hineinschaufeln. Da spielt es letztlich nicht die große Rolle, wer nebenan mit rockt. Hauptsache, es kommt da oben an! – Schön, dass wir Dich sehen konnten – ein Privileg, das längst nicht alle Deine Fans hatten.
Liebe Grüße aus dem vertrauten Frankena!
Dein Großvati ( und auch Deine Großmutti)
24. Februar 2010 um 16:46 |
Jo- Temperaturen waren SCHLIMM! aber anders als du denkst, es ware nämlich in jedem Zug HEISS wie sau! Die kennen nämlich keine -angepasste- Heizungeinstellung sondern nur “äh…Winter…äh…heißt..äh….Heizung auf MAXIUMUM!!!…” Ansonsten war alles ok!
Übrigens war gestern ukrainischer Männertag (Tag der Armee) und da hab ich natürlich auch von überall her Glückwünsche wie auch Geschenke bekommen
24. Februar 2010 um 20:27 |
Hallo, Nathan!
Also, ich musste über Deinen spannenden Bericht der Rückreise an manchen Stellen wieder so lachen, obwohl ich alleine im Zimmer war!
Du schilderst alles wirklich interessant und farbig – einfach toll!
Und wer hat Dir denn den schweinchenrosa Kuschelteddy geschenkt?
Damit kann es ja nur einen “fröhlichen Nathan” in Sumy geben!
Mach’s weiter gut!
Das wünscht Dir Deine Großmutti.
3. März 2010 um 23:28 |
Schön, dass du auch unsere Heimat ( im wahren Sinne ) besucht hast.
)
)
Grüße vom ‘Zigarettenschlumpf’.
20. März 2010 um 20:52 |
Hallo Nathan,
naja, dir nicht, selber erleben möcht ich es auch nicht. Und ich empfehl den Blog gleich weiter an Jakob und an Andreas.
Meine Güte, ich wusste ja gar nicht, was ich verpasse. Irgendwie hab ich noch nie in deinen Blog geschaut. Du schreibst super.!!! Besonders gefallen hat mir die Sache mit dem Sicherheitsdienst
In einer Woche sehn wir uns ja!
Viele Grüße
Thea
3. Januar 2011 um 12:14 |
[...] Eine Kleine Reise – Reloaded February 2010 6 comments 3 [...]