Nun ist schon die ganze Weihnachtszeit vorbei…Die ganze Festlichkeit ist aus den Köpfen der Leute…Auch hier- wo doch das Weihnachtsfest am 07.01. stattfindet. Trotzdem schulde ich euch noch so einige Geschichten, die ich in der letzten Zeit erlebt habe. Da auch gerade mein Alltag wieder eingekehrt ist und so viel spannendes nicht zu erzählen gibt, passt das ganz gut. Ich liege im Bett, habe Halsschmerzen, Romtschick sitzt im Käfig und draußen sind es -30°C. Jetzt aber zur Vergangenheit!
Silvester 31.12.09-01.01.10
Das Silvesterfest habe ich ja schon im vorhergehenden Artikel beschrieben. Bleibt mir also nur zu erzählen WIE ich dieses Fest genau verbracht habe. Am Abend war ein Gottesdienst, der aber so wie üblich ab lief- keine Veränderung zu einem normalen Sonntagsgottesdienst. Außer natürlich in der Predigt, die auf dieses Fest ausgerichtet war.
Am Abend haben dann alle Jugendliche sich im Office (Art Gemeinde-“Wohnung“) getroffen. Als ich mit Begleitung ankam, war schon alles wunderbar geschmückt, Essen war hergerichtet und super Stimmung. Ich hab mich mit ein paar unterhalten und manche haben sich über mein Outfit lustig gemacht: Ich hab mich eigentlich mal so RICHTIG rausgeputzt und muss mal ohne Eigenlob sagen, dass ich mit zu den besten „Verkleidern“ gehört habe. Leider waren auch nur 2-3 so richtig verkleidet…naja….son Mittelding eben- jeder wie er wollte, aber besser ist natürlich eine Verkleidung! Über den Jahreswechsel haben wir keinen Countdown gezählt sondern saßen im Raum und jeder hat gebetet. Dieses Gebet ging über eine halbe Stunde und war auch für mich eine neue und sehr schöne Erfahrung, den Jahreswechsel zu vollziehen. Danach wurden Lobpreis gesungen, Spiele gespielt, gefuttert und weitere ganz viele Aktionen
gestartet. Später in der Nacht kamen noch unsere etwas älteren Freunde, die mit ihren Familien feierten. Die blieben dann auch 2 Stunden und zischten wieder ab. Es war wirklich sehr sehr schön und ich bin sehr dankbar dafür, ein Silvesterfest hier in der Ukraine erlebt zu haben. Um halb 9 früh war ich dann im Bett.
Sicherheitsfirma 02.01.10
An diesem Samstag war ich am Vormittag unterwegs, kam am Nachmittag für 1,5h nach Hause und wollte dann wieder zur Bandprobe. Meine Gastfamilie war komplett nicht da, und wenn dies der Fall ist, dann ist es ganz normal das der Alarm aktiviert ist. Ich komm nach Hause und schließe alle Türen auf, merke das der Alarm aktiviert ist, geh zum Kasten, tippe den Code ein und deaktiviere den Alarm somit. Ich verschwinde in meinem Zimmer und mache irgendwelche unnütze und sinnlose Dinge am Computer- so wie immer wenn ich ein wenig Zeit hab. Nach gefühlten 15 Minuten klingelt es an der Tür. Natürlich „überhöre“ ich dieses klingeln, denn ICH habe hier NIE Gäste. Und wenn jemand zu meiner Gastfamilie will- sie ist ja nicht da! Eine weitere Zeit vergeht. Leider kann ich nicht genau sagen wie viel da ich KOMPLETT mit meinem Blödsinn beschäftigt bin! Es klingelt ein weiteres mal und wieder „überhöre“ ich dieses klingeln mit Absicht. Kurz darauf rüttelt es an der Tür. Ich dachte, meine Gastfamilie kommt zurück und sie schließt gerade die Tür auf. Ich hatte aber angenommen, sie sei länger weg, deswegen habe ich meine Jacke einfach auf den Flurboden geschmissen und meine ganzen Sachen nicht ganz so ordentlich wie üblich abgelegt. Ich spurte also schnell in den Flur um alles beiseite zu räumen, da fällt mein Blick zufällig auf den kleinen Bildschirm neben der Tür. Wir haben hier eine Kamera an der Tür- wenn jemand klingelt dann können wir gucken wer vor der Tür steht. Ich schaue auf die Kamera und sehe 2 Polizisten in Vollmontur, die sich wieder an unserer Haustür zu schaffen machen. Natürlich wusste ich in diesem Moment, das DIES die möglichen ersten Gäste für MICH sind, die an der Haustür klingeln. Ich hatte ein wenig Panik und machte natürlich so schnell wie möglich die Tür auf. Fehler hin oder her, es war besser gewesen, obwohl in DIESEM Moment ich zwei Pistolen ins Auge blicken musste und auf russisch angeschrien wurde. Schwierig diese Situation genau zu beschreiben. Aber ich denke jeder hat mal einen dieser Amerikanischen Streifen gesehen, in der eine ähnliche Situation vorkommt. Bloß das es Wirklichkeit war: zwei…ich würde fast nach ihrem Outfit -Spezialeinheiten- sagen, standen versetzt, halb in der Hocke, im Korridor, brüllten mich an und zielten mit ihren Pistolen auf mich. Ich konnte froh sein, denn es gibt hier auch noch teurere Sicherheitsfirmen, die mit Maschinengewehren rumstolzieren.
In meiner Panik und völligen Schock hob ich langsam meine Hände und verstand KEIN einziges Wort. Nach einer kleinen Ewigkeit hab ich mich gefangen und verstand, das sie meinen Namen wissen wollen und soweiter. Mein Sprachzentrum war jedoch immer noch nicht aktiviert. Ich verständigte mich irgendwie mit ihnen, das ich meine Gastmutter anrufe. Tamara ging erst beim dritten Versuch ran- Jedes weitere klingeln am Handy verdoppelte den Schweißausbruch in seiner Intensität. Doch sie ging ja nach kurzer..mir jedoch endlos scheinender, Zeit ans Telefon und quatschte mit den Sicherheitsleuten. Schlussendlich musste ich eine Strafe bezahlen weil ich den Code nicht richtig eingegeben oder bestätigt habe. Ich bin mir jedoch fast sicher das ich alles richtig gemacht habe, aber so ist das manchmal- die Technik belehrt uns eines besseren.
Ich möchte solch eine Situation NICHT noch einmal wiederholen- sie war jedoch sehr bedeutend und sehr…lehrreich. Eine wichtige -Erfahrung- eben.
Arbeitendes Väterchen Frost 05.01.10
Es ist alte Tradition, dass nach Neujahr alle Kinder, die noch zum Verein
Filicitas gehören, besucht und beschenkt werden. Im Verein sind nämlich noch Kinder die weder in der Schule sind, noch durch Hausbesuche unterrichtet werden. Dieses Jahr passte das ganz gut, denn ich war schon einmal in die Rolle des Väterchen Frost erfolgreich geschlüpft. Somit musste ich wohl oder übel mit meiner Begleitung, Snegurotschka, mehr als 10 Kinder besuchen. Dabei wurde auch ein Fotograf eingeladen und 2 Vertreter der Politik waren natürlich auch dabei. So sind wir mit unserem Schulbus von Haus zu Haus gefahren und haben beschenkt, gesungen, Fotos geschossen, kurz geredet und sind wieder abgedampft. War eigentlich sehr lustig. Auch bei der Werkstatt für behinderte Menschen haben wir kurz Rast gemacht.
Die Schwierigkeit an diesem Tag lag einzig und allein darin, von dem jeweiligen Ort, wo man gerade weilte, wieder loszukommen, denn überall sollte man am liebsten ein ganzes Fest feiern- wenn es nach den Eltern ginge. Leider war unsere Zeit auch begrenzt.
Ein sehr lustiger und schöner Arbeitstag.
Ukrainisches Weihnachten 07.01.10
Als erstes fand natürlich der Weihnachtsgottesdienst statt. Das war ein riesiger Aufwand, denn alles war sehr kurzfristig geplant und geprobt und improvisiert und vorbereitet und geübt….Sehr schön jedoch das alles schlussendlich geklappt hat. Es war ein schöner Gottesdienst, mit vielen musikalischen Einlagen, Krippenspiel und Predigt. Auch ich habe mich diesmal nicht nur in der Band wie normal beteiligt sondern habe einmal im Chor mitgesungen (unten eine Kostprobe- leider war ich der einzige Tenor, habe mich aber durchgekämpft und überzeugt
) und noch ein Duett mit meiner sehr guten Freundin Marianna gesungen. Viele waren sehr begeistert. Eine Oma kam sogar nach dem Gottesdienst zu mir gestürmt und hat mich unter Tränenfluss umarmt und abgeknutscht weil sie das alles so schön fand
Nach dem Gottesdienst war ich bei der Pastorenfamilie eingeladen. Dort habe ich mit der ganzen Familie gegessen, gequatscht, Tee getrunken, uns beschenkt und so richtig gechillt. Ich erinner mich an ein anfangs sehr stressiges, dann wunderbar chilliges Weihnachten zurück.
Soweit war’s das nun von mir,
Hören will ich jetzt von dir:
Wie es dir denn grad so geht?
Wie die Wäsche im Wind so weht?
Genug hab ich getippt für dich,
Kannst du denn das jetzt auch für mich?
Fröhlich wär’ ich- ist ganz klar,
Und natürlich auch dankbar.
Nun ist es Zeit für meinen Schluss,
Weil ich auch mal chillen muss.
Wer dabei denkt ich wäre faul,
der hält jetzt einfach mal sein …….tschüss ne?
euA nAthAn.




29. Januar 2010 um 14:14 |
Mensch, Nathan, wo hast Du denn dieses Outfit her? (Silvester) Ist ja voll der ukrainische Biedermeier (mit lockeren Durchschüssen – siehe Knöpfe am Hemdkragen).
Was mein Ergehen betrifft – wieder gesund, ziemlich munter, zufrieden mit dem Leben und nicht interessiert am neuen iPad (Welch ein manipulierter Hype!), sondern an einer umfassenden Theorie über die professionelle Beziehung in Bildungsprozessen. Außerdem weht die Wäsche nur im geringen Maße (Wirbelströme unterm Dach) – Ich wünsche Die baldigen Ausgleich der Temperaturen (Körper-Umwelt) – amund
29. Januar 2010 um 16:19 |
Das Outfit stammt von Swatoslaw- da die hier ja noch mit Schuluniformen zu Gange sind, hatte ich da eine prächtige Auswahl
Also bevor nicht irgendeine Technik erfunden wurde, die mir Blogeinträge schreibt und dabei mir ein Twix zubereitet, werde ich mich auch nicht näher für solches i-sonstawas interessieren. Also während ich jeden Morgen den Tag mit einer Google-Suche “iBlogTwix” beginne, hat mein Umfeld erstmal noch mit Stromausfall zu kämpfen- wie gerade jetzt (Liebe Mitmenschen: HIER wird einer der Vorteile des Laptops deutlich!)…aber warum habe ich Internet? hä? zu hoch.
Um deinem Wunsch nachzukommen, Ausgleich der Temperaturen, muss ich glaube ich das Land wechseln, denn die Durchschnittliche Körpertemperatur wird hier in der Umwelt statistisch in diesem Jahr nicht erreicht. (Prognose Juli 2010 max.Temperatur 25°C- fehlen noch gute 10°)
Grüße von hier nach da.
-na
29. Januar 2010 um 21:34 |
Hallo, Nathan! Gerade wollte ich meine Computersitzung beenden, tippe noch kurz auf Deinen Blog und siehe da – es hat sich gelohnt! Du hast wieder so spannend und fleißig erzählt, doch bei der Polizeiszene blieb mir fast die Luft weg. Das wünsche ich Dir nicht nochmal, d.h., ich habe es Dir ja gar nicht gewünscht. Die niedrigste Temperatur, die wir bisher in Frankena hatten, waren -17 Grad. Ich finde ja den herrlichen Schnee sehr schön, wenn auch manche Menschen dabei nur ans Schneeschieben denken. Am wärmsten und gemütlichsten ist es in diesen Zeiten aber doch im Bett! Und das werde ich gleich aufsuchen.
Eine gute Nacht und gute Besserung wünscht Dir Deine Großmutti.
29. Januar 2010 um 22:18 |
Hallo Nathan,
nächstes Mal lese ich wohl erst den blog und schreib dir dann ne mail von mir – egal. Jedenfalls noch mein Kommenar zum blog, nachdem du von mir schon auf`s laufende gebracht wurdest, wie es hier läuft:
Ist ja spannend, dass die Polizei gleich Waffen zückt, ohne, dass du mal ein Wort sagen konntest – schon hart. Hoffe, der Schock hielt nicht zu lange an.
Das Weihnachtslied auf dem Video hat unser Chor auch mal gesungen, auf deutsch und englisch. Lustig, es jetzt so zu hören!
Schön, wie du von Fest zu Fest tingeln durftest – warst bestimmt hinterher satt, oder?!
Liebe Grüße
Rossi
31. Januar 2010 um 22:46 |
Mensch, du bekommst NIE Gäste, du bist ja echt ein armer Hund. Ich hoffe es wird sich spätestens im März ändern.
War das We in Kassel und Marburg unterwegs und habe wiedermal erkannt, wie gut es ist, zu trampen und wie scheiße es mit der Bahn ist. Habe heute sehr viele Stunden im Zug und auf Bahnhöfen verbracht. Hatte aber dafür Zeit für Prüfungen zu lernen. Genieß die Zeit der Faulheit!
Bist du eigentlich schon in Ukraine getrampt?
7. Februar 2010 um 11:34 |
Hallo Nathan,
Vater und Mutter sind gerade hier. In der Kapelle war heute ein russlanddeutscher Jugendmännerchor von Bad Essen, aus der Gemeinde dort. Wir haben z.Z. einen Praktikanten von der Bibelschule Breckerfeld. Der ist für 6 Wochen hier. Er und seine Frau sind auch Russlanddeutsche aus Kasachstan. Er hat eine sehr tiefgreifende Wortauslegung. Für den heutigen Gottesdienst hatten wir Viele eingeladen und es sind auch ein ganzer Teil gekommen. Eine Frau hat sich heute für Christus entschieden. Der Chor bestand aus 7 jungen Männern und hat sehr ausdruckstark und gefühlvoll gesungen. Ein 19jähriger hat ein Zeugnis gegeben.
So wünsche ich Dir und der Gemeinde Gottes Segen!
Deine Oma
3. Januar 2011 um 12:14 |
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