Deutsches Weihnachten (24.12.2009)
Dieser Tag für mich eiiiiigendlich nichts besonderes. Von weihnachtlicher Stimmung habe ich hier GAR nichts mitbekommen. Natürlich nicht, wenn Weihnachten hier auch nicht ist? Ich bin also an diesem Donnerstag schön arbeiten gegangen und hab danach ‘ne Runde gepennt.
Dann bin ich nochmal los um eine Freundin zu besuchen.
Das Wetter war …..wie soll man sagen…schlecht? Vielleicht nicht ganz so, wie es gerade in Deutschland ist, aber es ging schon in die Richtung.
Ich bin aus dem Haus raus und achte darauf, das ich mich nicht in den nächsten paar Sekunden auf den Hosenboden setze, da merke ich neben mir einen jungen Mann, der verzweifelt versucht sein Auto aus dem Schnee zu holen. Er steckte fest. Er hatte Automatik-Schaltung, stand also bei offener Tür neben dem Fahrzeug, lehnte sich dagegen und trat mit einem Bein aufs Gas und wechselte zwischendurch immer von Vorwährtsgang in den Rückwährtsgang und wieder zurück.
Ich blieb stehen, guckte mir für einen Moment diese lustige Situation an und fragte dann schließlich mit meinem Hoch-Russisch, ob ich helfen kann. Zusammen verbrauchten wir 10 Minuten, wo wir beide das Auto für einen Meter bewegt haben. Mal hin, mal her. Das ich Zwischendurch durch das Gegenstämmen an das Auto, in den halb-Matsch geflogen bin, möchte ich gar nicht so ausführlich beschreiben. Auch, dass das Auto dem Anschein nach bei der letzten Rally Dakar mitgemacht hat und dementsprechend „sauber“ war ist ein Fakt, der nur kurz angesprochen wird. Denn wie meine Hose und meine Jacke aussahen….darüber könnte ich Bücherweise schreiben.
Nach 10 Minuten hatten wir noch einen dritten Kollegen, der hinter uns vor fuhr, ein parken wollte und anscheinend gemerkt hatte, das dieser Ort für Autos keine Liegewiese ist. Er wollte wieder zurück aber leider steckte sein Auto nun auch fest. Ein kurzes lachen unsererseits und wir beide sind zu ihm und haben ihn nach 5 Minuten raus geschoben gekriegt, der Fahrer gaaanz faul am Steuer geblieben. Aber Ok, was soll er machen?! Manchmal kam aber eine kleine Angst auf, denn wenn man so ein Auto schiebt und der Fahrer zu der Zeit auf das Vollgas tritt, stellt man sich lieber nicht vor, was passieren würde, wenn die Reifen auf einmal greifen würden!
Danach machten wir uns zu dritt nochmal an das erste Auto und hatten es nach einiger Zeit auch raus geschoben/gefahren. Der zweite Fahrer dampfte ab, ich ging völlig verdreckt in Richtung Marschrutka. Dann fragte mich aber der erste Fahrer wo ich hin möchte- Diesmal jedoch, versagten meine Russisch Kenntnisse und versuchte mit Händen und Füßen die Richtung zu erklären. Zum Glück verständigten wir uns schnell auf Englisch- er sprach SEHR gut amerikanisches Englisch. Er fuhr mich in meine Richtung, bis wir merkten das er genau den selben Weg fährt, den ich brauche. Er erzählte mir, das er Dennis heißt, vor 10 Jahren mal in Deutschland war und was er hier so macht. (Architekt- versucht mit neuen (Holz-) Häusern endlich die Ukrainer davon zu überzeugen, das man nicht 10m dicke Wände braucht, um es warm zu haben.) Natürlich hab ich von mir erzählt und den Rest der fahrt haben wir herzlich gelacht über seinen kleinen deutschen Wortschatz, der überlebt hatte.
Ich war sehr froh ihm geholfen zu haben, denn ich wurde belohnt: Ich kam schneller zu meinem Ziel, sparte 2 Grivni und habe jemand neues kennen gelernt (er gab mir noch seine Handynummer falls ich mal in Sumy nicht weiter weiß). Lustig war auch, das wir bemerkt haben, dass wir im gleichen Haus wohnen, er nur 2 Stöcke unter mir.
Als ich dann wieder nach Haus kam, wollte ich noch ein Foto von dem Ort machen, wo ich ein „Engel in höchster Not“ (Zitat Dennis im Auto) war. Da rief mir jemand zu, dass ich das unterlassen sollte. Gleich darauf ein bekanntes Gelächter. Dennis, den ich durch die Dunkelheit gar nicht wahrgenommen habe, war gerade mit Hacke und Schneeschaufel an der Arbeit, seinen Parkplatz herzurichten. Wir haben kurz gequatscht und ich habe mich spontan dazu entschieden, nach einer halben Stunde ihm zu helfen, denn ich hatte noch was wichtiges zu erlääädigen. Nach einer halben Stunde bin ich eben runter gegangen und habe ihm geholfen. Wir haben in 1,5h drei Parkplätze vom Eis befreit. Die ganze Zeit haben wir geredet und es war sehr sehr lustig und interessant. Er ist auch christlich, spielt in einer Lobpreisband in einer anderen Gemeinde Gitarre, kann noch weitere Instrumente spielen und schreibt Songs. Wir haben wirklich über ALLES mögliche gequasselt und das war sehr sehr cool. Am nächsten Tag hat er mich zu einem Lobpreisabend seiner Gemeinde eingeladen, wo ich auch mit einer Freundin zusammen hingegangen bin. Die Musik war wirklich sehr gut, vielleicht ein bisschen schlecht abgemischt und ein unvorteilhafter Raum, aber ansonsten spielen sie und er sehr gut. Andere Sachen haben mir nicht ganz so gefallen aber wer DARAN speziell interessiert ist, soll mich direkt anschreiben, denn das würde sonst den Rahmen sprengen, alles hier rein zu schreiben.
Fazit: Galater 6,9 „Werdet nicht müde, Gutes zu tun. Es wird eine Zeit kommen, in der ihr eine reiche Ernte einbringt.“
Am Abend habe ich natürlich mit meiner Familie noch geskyped und noch ein bisschen Weihnachtsluft geschnuppert- insofern man das sagen kann.
Neujahr Feier auf der Arbeit (25.12.2009)
An dem Freitag haben wir Kollegen uns um die Mittagszeit in der Schule getroffen, alles vorbereitet und eine schöne lustige Zeit gehabt. Was gibt es dazu groß zu erzählen? Es gab reiiiiichlich zu Essen. Ich dachte schon, alle Mitglieder des Vereins, und nicht nur die Kollegen, wären zu dem Fest eingeladen- soviel Essen gab es. Leider ist es immer wieder erstaunlich wie ich mich doch so sehr freue wenn ich MASSEN an Futtern sehe- alles schön hergerichtet und verziert- und dann aber doch enttäuscht werde, denn so Leid es mir tut: Ich kann hier bei solch Festen wo sich BESONDERS Mühe
gegeben wird mit der Mahlzeit, höchstens die Hälfte essen. Nicht das ihr mich falsch versteht- das Essen schmeckt hier wunderbar und Tamara ist eine ausgezeichnete Köchin! Aber bei solchen Veranstaltungen habe ich das Gefühl, das sich das „Mühe geben“ nach meinem Geschmack in die gegenteilige Wirkung umsetzt. Bei mir kam natürlich immer wieder der Satz hoch „Das Auge isst mit“…nur konnte in diesem Fall mein Auge mehr „essen“ als mein Mund (oder was immer auch isst an unserem Körper….gute Frage….was isst denn, an unserem Körper? Also was ist an unserem Körper was isst?).
Des weiteren waren natürlich Kostüme angesagt. Zum Neujahr steht hier schon, anders als in Deutschland, der Weihnachtsbaum- festlich geschmückt. Auch zum Neujahr kommt der russische Weihnachtsmann- Väterchen Frost („Ded Moros“) mit seiner Enkelin Schneemädchen oder auch Schneeflöckchen („Snegurotschka“). Wer wissen will, wie die ungefähr
aussehen, googelt sie einfach. Praktischer Weise hatte die Schule noch ein Kostüm „Ded Moros“ übrig und somit war ich fein aus dem Schneider. Leute, die sich nicht verkleidet haben, bekamen während des Festes ein paar Kleinigkeiten verpasst.
Es wurde gegessen, es wurden Spiele gespielt und natürlich auch Ansprachen gehalten. Überall war ich natürlich vertreten. Da ich schon geahnt hatte, das mir eine kleine Ansprache droht, habe ich mich vorher noch von einer Freundin mir was kleines aufschreiben lassen. Lasst euch nicht beirren von meinen Sprachqualitäten- denn das liegt allein an der Schrift die ich nicht lesen kann! Sonst spreche ich natürlich beinahe fließend Russisch
Auch meine Gitarre habe ich ausgepackt und einmal einen kleinen Kulturwechsel mit „Fröhliche Weihnacht überall“ vorgenommen. Bin dann aber gleich wieder zurück mit der Kultur und ich habe das grölen von „Katjuscha“ begleitet.
Ansonsten war es sehr lustig und auch bei den Spielen hatten wir viel Spaß- obwohl ich manchmal erst bei 3. Mal erklären alles verstanden habe (Was bitte nicht heißen soll, dass ich mit meiner Sprache nicht voran komme. Jeder kann herkommen und sich von meiner Entwicklung in diesem Bereich überzeugen
)
Für Heute reicht es erstmal mit der Aufarbeitung der Historie von knapp 3 Wochen. Später geht’s weiter.
Ich wünsche euch eine schöne nächste Stunde, für die darauf folgende Stunde könnt ihr euch jemand anderes suchen, der sie euch „schön-wünscht“.
Grütze (rote mit Himbeeren) aus der Ukraine.
nathan






11. Januar 2010 um 20:42 |
Hallo, lieber Nathan! Dein neuester Bericht war ja nun mal wieder echt Spitze! Du kannst die Erlebnisse so spannend schildern. Ich denke mal: Die Krimis, die Großvati guckt, kommen da gar nicht mit. Während Ihr Euer großes Fest gefeiert habt, ging hier im Erbhof die Post ab – die Fete meines 70.Geburtstages. So ein Fest habe ich noch nir erlebt. Richtig: Ich bin ja auch noch nie 70 geworden! Ich danke Dir sehr für Deine einmaligen Geburtstagswünsche!
Ganz lieb grüßt Dich Deine Großmutti.
11. Januar 2010 um 22:00 |
Hallo Nathan,
schön, wie du die Erlebnisse schilderst – das mit dem Autoanschieben im Schnee kann ich vor unserer Haustür täglich erleben. Da wir eine Nebenstraße und Sackgasse hier haben, kommt der Räumdienst nicht. Gestern und heute habe ich 2x mit der Gartenschere Äste von am Straßenrand zur Abholung bereitgelegten Weihnachtsbäumen geschnitten und sie unter durchdrehende Räder von verzweifelten Autofahrern gelegt – anschieben mußten andere, dazu ist mein Babybauch schon zu dick. Heute erzählte Rufus aber auch von einem steckengebliebenen Krankenwagen, der sicherlich jemanden von der Seniorenresidenz uns gegenüber abholen wollte – das ist dann bitter.
Der 70. Geburtstag (siehe oben)hat wirklich großen Spaß gemacht, kann ich bestätigen. Da du nicht da warst, hat sich sogar Burghardt nach langer Abstinenz ans Schlagzeug gewagt, klang gut.
Wünsche dir eine unrutschige Woche (also wo du mal nicht ausrutscht),
Deine Rossi
14. Januar 2010 um 22:02 |
Hey Nathan,
mich interessiert natürlich, was dir nicht so gefallen hat. Vielleicht kannst du mir das ja schildern….
Hier noch ein kleines Rätsel. Vielleicht kann ja der Gewinner wieder ne Umfrage reinstellen:-)
2 + 3 = 10
7 + 2 = 63
6 + 5 = 66
8 + 4 = 96
Dann ist:
9 + 7 = ????
Gute Nacht Brüderchen
k<
15. Januar 2010 um 16:43 |
Ky, das Ding ist einfach zu einfach!!! Ich sach nur Ky plus Na mal Ky … Ihr Brüder – überlegt euch mal ein richtiges knackiges Rätsel, was nicht in 12 Sekunden zu lösen ist. Jedenfalls für so Normalos wie mich!
Übrigens höre ich gerade Schlips
ciao und allen warme Füße (ist einen Schniefer wie mir gerade wichtig)
19. Januar 2010 um 22:13
12 Sekunden, dann ist das ja Rekord. Ich habe ein bisschen länger gebraucht.
19. Januar 2010 um 22:26
also ich will mich hier ja nicht mit meinem ABITUR in Mathe (Matheleistungskurs roooooockt) rühmen, aber ich habe ein bisschen länger gebraucht als 12 Sekunden….MIT des Vaters Hilfestellung
26. Januar 2010 um 17:37 |
Also,
ich habe das Rätsel jetzt nicht lösen können.*mmh*
…
26. Januar 2010 um 21:42 |
TOOOOOOOOOOOOOOOOBI….bitte….also wirklich…
(für die, die denken sie wissen mehr, ist es immer leichter über andere zu urteilen. oder? dabei hab ichs auch nur rausgekriegt durch den Kommentar von meinem Vater. Selber nachgedacht hab ich nicht wirklich viel..-schlimm solche Leute…)
3. Januar 2011 um 12:14 |
[...] Ostern fehlt… -Teil 1- January 2010 8 comments 4 [...]